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Rutenfest

Rutenfest-Videos

1)

Bei rv-news ist eine DVD des Rutenfestzugs im Versand erhältlich. Alternativ kann man die DVD in der Ratstube am Marienplatz erwerben. Sowohl die DVD als auch der Versand erscheinen mir mit 6 Euro + 1,45 Euro recht günstig, da ist wohl mehr Freude an der Sache als Kommerz im Spiel. Die Spieldauer ist 63 Minuten, der Festzug ist also um etwa die Hälfte gekürzt, laut Beschreibung enthält die DVD jedoch "alle Gruppen", es wurden also wohl vor allem Lücken, Standpausen usw. gestrichen.

http://www.rv-news.de/ravensburg/rutenfest-2009-festzugs-dvd-ab-sofort-erhaeltlich.htm

2)

Bei youtube gibt's eine Amateuraufnahme des Festzugs in 8 Teilen, die aber leider größere Lücken aufweist und etwas unvermittelt abbricht:

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=R9aeEj_sapc
Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=6Id0KxzsUtk
Teil 3: http://www.youtube.com/watch?v=rdxiIqwa650
Teil 4: http://www.youtube.com/watch?v=QjIcc7-25Hg
Teil 5: http://www.youtube.com/watch?v=Jiz_e9-BG48
Teil 6: http://www.youtube.com/watch?v=N6vcSq09qvs
Teil 7: http://www.youtube.com/watch?v=TJOW5g0juQs
Teil 8: http://www.youtube.com/watch?v=t5av24frNQI

3)

Landsknechte vom Troß am Samstag, 1. August 2009 in Vogt. Nach dem Anschauen dieses Videos wird wohl auch dem Letzten klar, dass gegen so eine Truppe uniformierter, bewaffneter junger Gewalttäter, die bei ihren Auftritten Angst und Schrecken verbreiten, mit der ganzen Wucht der Staatsgewalt vorgegangen werden muss. Null Toleranz!

http://www.youtube.com/v/e7TF_f1nI1Y


4)

Das Rutenfest im Zeitraffer von Frederik G. Pferdt (aufgenommen am Marienplatz):

http://www.youtube.com/v/IGxEWYc0vxM

5)

Krieg der Werfer:

http://www.youtube.com/v/EGyBOBYoMIM

Landsknechte elegant (der Fang leider im Film abgeschnitten), Troko gut mit Abzügen in der B-Note, und der Rest interessiert eh keinen :-)

Es sei angemerkt, dass der Landsknechtsfahnenschwinger erstens nach hinten (und nicht nach vorne) wirft, zweitens eine selbstgebastelte, relativ lange Fahne aus Holz und Stoff besitzt (und kein Hightechgerät aus Glasfiber und Nylon oder was auch immer) und drittens nur 5 Monate Zeit zum Üben hat. Außerdem bemüht er sich bestenfalls darum, aus dem Lauf zu werfen und nach dem Fangen sofort weiter zu schwingen (so wie das der FZ-Tell-Schwinger im Video sehr schön schafft). Die Hochwurfweltmeisterschaft der Halbprofis bei den Fanfarenzügen ist zwar beeindruckend "fürs Volk", aber damit schlechterdings nicht zu vergleichen.

Landsknechte - die neuen Hooligans?

Der Bericht in der heutigen Schwäbischen Zeitung ist verzerrend und lässt journalistische Recherche bei den Betroffenen vermissen. Wenn ich den Polizeibericht lesen will, brauche ich mir keine teure Tageszeitung leisten. Dass auch die RFK in der Zeitung ins gleiche Horn stößt und ihre eigene Gruppe in keiner Weise verteidigt, ist eher beschämend.

Richtig ist: die Landsknechte wollten um 23 Uhr im Bärengarten antrommeln. Richtig ist auch, dass das um diese Uhrzeit nicht mehr erlaubt ist. Nur: seit vielen, vielen Jahren gibt es dieses alberne Verbot, und genauso viele, viele Jahre hat sich niemand daran gehalten, und es hat sich auch keiner daran gestört, dass sich niemand daran hält. Dass diese siebzehnjährigen, ehrenamtlich engagierten Schüler und ihre nur wenig älteren Freunde nun durch Anzeigen wg. Hausfriedensbruch und das Hinzuziehen von Bereitschaftspolizei kriminalisiert werden, ist der eigentliche Skandal dieser ganzen Geschichte. Sicherheitsdienst und die Polizei haben sich unsensibel verhalten, Deeskalation ist wohl ein Fremdwort. Wer mit der Schlägerei angefangen hat, bleibt zu klären, die Erzählungen Unbeteiligter dazu gestern abend im Bärengarten ließen aber keinesfalls das eindeutige Urteil zu, das Polizei und RFK fällen und das in der Zeitung unkritisch abgedruckt wurde. Zum martialischen Auftreten der Polizei kam noch die Provokation, dass Ehemalige daraufhin im Bärengarten von Polizisten gefilmt wurden, wogegen sie sich selbstverständlich wehrten. Wer will schon in einer intransparenten Gewalttäterdatei auftauchen, nur weil er an der falschen Stelle den falschen Hut aufhatte? Das seit Jahren ausufernde "Sicherheits"-Konzept am Rutenfest und in der Stadt, das zu einem Gutteil in der Verteufelung all dessen besteht, was Jugendliche tun, zeigt hier Auswüchse, die einem Angst und Bange machen. Auch der von Stadt oder RFK beauftragte Sicherheitsdienst am "Blauen Platz" und der Bärengarten-Sicherheitsdienst verhalten sich extrem unflexibel und teilweise deutlich rechtswidrig. Dass Jugendliche irgendwelchen Leuten keinen Respekt entgegenbringen, nur weil die irgendeine schwarze Uniform anhaben, ist kein Problem, sondern positiv zu sehen. Wir leben nicht mehr im Jahr 1910. Was sollte es, das Trommlerkorps am Rutendienstag 2008 abends am Abräumen der letzten Adlerschießenreste zu hindern, so dass man mit Polizeihilfe die Gewalt über den Platz der selbst verantworteten Veranstaltung gewinnen musste? Was soll es, die Klos im Bärengarten ab 0.45 zu schließen, die Leute zur Verrichtung der Notdurft ins Bärengarten-Haus zu zwingen und unangekündigt dann nicht mehr in den Garten (und zu ihren Familien, Bekannten, Jacken, Taschen) zurückzulassen? Solche Kleinigkeiten sind doch die reine Provokation durch Leute, die keinerlei Verständnis für das Fest und die Atmosphäre aufbringen.

Es scheint, dass wieder einmal auswärtige Sicherheits- und Polizeikräfte mit absolut ungenügender Schulung eingesetzt wurden. Hat denen niemand vorher gesagt, dass die "Hutträger" am Rutenfest vielleicht allzu alkoholisiert sind, aber keinerlei Freude an Gewalt oder gar Planung von Gewalttaten zu erwarten ist, und mit völliger Sicherheit keine Waffen zu finden sind? Eine Horde gewaltbereiter Fußball"fans" oder eine Truppe von vermummten Autonomen auf einer Demo: das ist es, was Bereitschaftspolizisten als "Gegner" kennen, darauf sind sie trainiert (und selbst dort gibt es immer wieder auch Auswüchse von Polizeiseite). Einen ähnlichen Eindruck mögen die ehemaligen Landsknechte hervorgerufen haben, die ihre "Buaba" und deren Antrommeln verteidigen wollten. Richtig ist der Eindruck und der dann folgende "Hooligans"-Reflex damit aber noch lange nicht. Ich hoffe, dass den Polizisten nach der Festnahme einiger Ehemaliger deutlich wurde, dass es sich hier um eine durchaus andere Klientel handelt. Ja, man singt ein paar bescheuerte Kriegslieder aus der Zeit der Jugendbewegung, aber in meinem eigenen Trupp Anfang der 1990er Jahre wurden aus den 28 "Landsknechten" dann über 20 Zivis... Die jungen Ehemaligen spenden seit vielen Jahren jährlich den Erlös ihrer Weihnachtsfeier (hunderte von Euro: für 17-19jährige ganz schön viel Geld) für gemeinnützige Projekte, darunter den "Verein Frauen und Kinder in Not" oder ein Projekt für Kinder in der Partnerstadt Brest; die Landsknechte und ehemaligen Landsknechte werben mit der Kampagne "Schnaps ist nicht unser Bier" und einem Verbot für harte Alkoholika bei allen Landsknechtsfesten für verantwortlicheren Alkoholkonsum; immer wieder sieht man kleine Szenen von selbstverständlicher und spontaner Hilfsbereitschaft am Rutenfest (letztes Jahr konnte man einen ganzen Trupp junger Ehemaliger beobachten, wie sie einer verdutzten Familie mal schnell beim Wohnungsumzug halfen); bei aktiven und ehemaligen Landsknechten wird Integration selbstverständlich gelebt, Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben überhaupt keinen Platz. All das ist unumstrittener Bestandteil der Fest- und Ehemaligenkultur in Ravensburg.

Für das nächste Jahr muss man unbedingt lange im Vorfeld Sicherheitsdienst, Polizei, Rutenfestkommission und Landsknechte (samt Ehemaligenvertretern) zusammenbringen, damit so etwas nie wieder passiert. Vielleicht sollte man einen Fanbeauftragten eines Fußballclubs zur Beratung hinzuziehen oder andere unabhängige Experten, die mit solchen Problemen Erfahrung haben. Ein gegenseitiges, sich verfestigendes Feindbild Polizei – Landsknechte/Ehemalige wegen für die öffentliche Ordnung völlig unwichtiger, für junge Trommler aber bedeutsamer Lappalien wie Antrommelzeiten wäre in der Tat eine Katastrophe für das Fest.

T-Shirt, gesehen am 1.8.2009

Rutenkuss mit bitterem Beigeschmack

Wie verkommen muss man eigentlich sein, um sich die Marke "Rutenkuss" schützen zu lassen? Und ein R im Kreis an dieses uralte, schöne und definitiv nicht schützbare Wort zu hängen?

Beweis: http://www.rutenkuss.de/

Verantwortlich für diesen Mist ist anscheinend ein Daniel Köpf von der Werbeagentur "Die Welfenburg" in Ravensburg. Möge er ewig un-ruten-geküsst bleiben. Was ich ihm und seinen Kollegen sonst an den Hals wünsche, muss leider ungedruckt bleiben.

Ravensburg 1863

Jetzt bei Wikisource:

Johann Philipp Glökler: "Land und Leute Württembergs", 3. Band, Stuttgart 1863

Auf S. 382–414 werden Ravensburg und Weingarten geschildert, ab S. 400 ein recht ausführlicher Bericht über das Rutenfest.

http://tinyurl.com/ravensburg

Rutenfest 2009

Das Rutenfestprogramm 2009 ist seit gestern online:

http://www.rutenfest.de

Es freut mich, dass ein Rutentrommler der Ravensburger Hauptschulen als Plakatmotiv gewählt wurde. Das Corporate Design des Rutenfest gefällt mir aber immer noch nicht. Das passt zu 1920 oder 1950 (oder eigentlich auch 1940), aber doch nicht in unsere Zeit.

Das waren noch Zeiten

Daß noch vor reichlich 100 Jahren die Ravensburger ihr „Rutenfest“ volle zwei Wochen feierten, Evangelische und Katholische je für sich eine Woche, war ein Unfug, dem nicht das Wort geredet werden soll, im Gegenteil, uns will das heutige Fest, das am Sonntag schon seinen Anfang nimmt und Montag, Dienstag anhält, für die heutige Zeit zu lange dauern und es ließe sich, mit einigem guten Willen, sicher auf einen Tag konzentrieren, wobei sich manches, der traditionellen Eigenart des Festes Rechnung tragende, das heute im „Rutenbier“ und Volksfesttrubel untergeht, feiner herausarbeiten und zur Geltung bringen ließe.
Ein Zeitungsartikel von 1927 bei Wikisource.
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Oberschwäbische Mannigfaltigkeiten

Historisch-litterarisch-bibliographisches Journal der schönen Wissenschaften und der freyen Künste

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