Museen

Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Update zu meiner Kritik am Fotografierverbot im Kunstmuseum Ravensburg:

Jetzt darf man ohne Blitz fotografieren, und mein Vorschlag von damals wurde (unbewusst? oder nicht?) übernommen, vor der Veröffentlichung der urheberrechtlich geschützten Werke im Internet zu warnen.

Super, so soll es sein!

Natürlich hatte ich dieses Mal aber keine Kamera dabei, da ich keine Lust auf erneute unerquickliche Diskussionen hatte…

„Heilige Kunst aus dem Verborgenen“ im Humpis-Quartier

Oberschwaben ist nicht nur eine Barock-Landschaft, sondern auch durchaus eine Landschaft des Historismus. Auch wenn vieles in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, gibt es mit so mancher Dorfkirche noch ein Gesamtkunstwerk dieser Zeit zu sehen. Die Altäre und Skulpturen sind ein Ausfluss ihrer Zeit (um 1900) und waren 1950 so out, dass sie oft zerhauen wurden, die Skulpturen verschenkt oder eingelagert. Auch heute ist die historistische Kunst noch nicht wirklich wieder "in", sie wird aber wenigstens nur noch selten gedankenlos zerstört (ein abschreckendes Beispiel aus jüngerer Zeit ist jedoch die Zerstörung der Orgel und damit des Raumeindrucks der Pfarrkirche Wolpertswende).

Endlich werden jetzt die vielen eingelagerten Kunstschätze der Ravensburger Bildhauer der Jahrhundertwende eimal in einer Sonderausstellung im Museum Humpis-Quartier gezeigt. Der beste und wohl auch einzige wirkliche Kenner der Materie ist der Ravensburger Historiker Ralf Reiter, der bereits mehrere Aufsätze zu den Bildhauern Moriz Schlachter, Theodor Schnell sen. und Theodor Schnell jr. publiziert hat. Er hat nun auch die Austellung kenntnisreich kuratiert, und sein dort ausliegender Text ist wieder durchaus lesenswert. Die gezeigten Werke geben einen guten Querschnitt durch das Schaffen der Bildhauer (wobei Schnell der Ältere etwas kürzer kommt als die beiden jüngeren Bildhauer).

Der Besuch ist durch die schlechte Beleuchtung und die in der Handhabung nervige Ausstellungsdokumentation (wie so oft im Humpisquartier) leider etwas anstregend, wenn man wirklich wissen will, was man da jeweils gerade anschaut. Das ganze erinnert etwas an ein Schaudepot eines Skulpturenmuseums und soll wohl auf die heutige Situation der Werke auf Kirchenbühnen und in dunklen Lagern anspielen. Das ist alles recht aufwendig gemacht, aber weniger wäre da vielleicht doch mehr, das sicher recht viele Geld für das Ausstellungsdesign wäre in einer dauerhaften Internetpräsentation der Ausstellungen m. E. besser angelegt. Es ist ja auch nicht so, dass die Sonderausstellungen so wahnsinnig erfolgreich wären, man war bislang eigentlich immer eher allein dort (außer bei der Textilausstellung). Und das häufige "Photo fehlt" in den ausliegenden Beschreibungen muss doch heutzutage wirklich nicht mehr sein, wo jeder sogar mit dem Handy schnell ein Foto von allem machen kann. Ansonsten gibt es in der Ausstellung ja null Beschriftung. Die vorhandenen Beschreibungen passen aber beim besten Willen nicht genau zu den ausgestellten Stücken, das ist dann sehr irritierend. Und selbst die Fotos der hl. Martin und Nikolaus wurden verwechselt... Die überdramatische Beleuchtung tut den Kunstwerken dieses Mal vielleicht sogar relativ gut, aber letztlich sieht doch alles genauso "filmisch" beleuchtet aus wie bei der Jakob-Russ-Ausstellung – dessen Skulpturen das nun wirklich nicht nötig hatten und die geradezu litten unter der absurden Beleuchtung. Ich finde, die Ästhetik der Ausstellungsdesigner kennen wir jetzt langsam zur Genüge, ein Wechsel der Dienstleister wäre da wohl mal angebracht.

Um die Besucher dazu zu animieren, die noch existierenden Werke in den Kirchen der näheren und weiteren Umgebung anzuschauen, sind die Übersichtskarte (die man schließlich nicht nach Hause nehmen kann, außer man hat eine Kamera dabei) und die vielen – wieder völlig unbeschrifteten – Bilder im Treppenhaus nicht ausreichend. Auch die vielen schönen Entwurfszeichnungen im ersten Raum bleiben völlig undokumentiert. In dieser Hinsicht hat die Ausstellung ein deutliches Manko, wie auch bei der Einbettung der Werke in Architektur und Malerei. "Solo" wirken die Skulpturen nämlich nur sehr bedingt, sie gehören in historistische Räume. Schade, dass die kürzliche Altöttinger Schau zum aus Oberzell gebürtigen Maler Gebhard Fugel nicht zeitnah zu dieser Ausstellung auch hier gezeigt werden konnte, das wäre sicher interessant gewesen. (Update: Die Fugel-Ausstellung wird ab sofort bis 4. Mai 2014 in der Galerie Fähre in Bad Saulgau gezeigt! Öffnungszeiten: Di–So 14–17 Uhr)

Links:

Museum Humpis-Quartier (mit Flyer zur Ausstellung)

Bilder aus der Ausstellung bei Wikimedia Commons

Wikipedia: Moriz Schlachter

Wikipedia: Theodor Schnell der Ältere

Wikipedia: Theodor Schnell der Jüngere

Artikel in der Schwäbischen Zeitung

Hl. Martin von Moriz Schlachter

Update 18. 12. 2013: Heute war der 2013er-Band der Zeitschrift "Ulm und Oberschwaben" in der Post, der einen lesenswerten, ausführlichen und reich bebilderten Artikel von Ralf Reiter zum Thema enthält (der auch günstig als Sonderdruck im Museum erhältlich sein wird oder vielleicht sogar schon ist). Man hat jetzt etwas, was man getrost nach Hause tragen kann, und die Werkliste der drei Bildhauer am Ende ist auch als Anregung für Kunstreisen in die Umgebung geeignet.

PS: Ralf Reiter nennt am Ende des Artikel Schnell d. J. den vielleicht größten Künstler, den Ravensburg je hervorgebracht hat. Das ist für die bildenden Künstler nicht völlig von der Hand zu weisen, zumal man zur Herkunft von Jakob Russ und dem Schöpfer der Glasfenster der Liebfrauenkirche nichts weiß und von mittelalterlicher Kunst ansonsten nicht allzuviel übrig ist. Ich persönlich würde mich bei diesem Superlativ dennoch deutlich für den in der Vorstadt Schornreute geborenen August Natterer entscheiden, der allerdings Ravensburg früh verließ und hier so gut wie völlig unbekannt ist.

Das neue Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz

Das neue Haus und die die Sammlungspräsentation sind zu weiten Teilen großartig.

Das Schaudepot im 2. OG ist in der Fülle der ausgestellten, hauptsächlich volkskundlichen Objekte sehenswert, wenn auch eine Beschriftung fehlt. Dafür muss man umständlich die bereitgelegten Kataloge wälzen: Usability sieht anders aus.

Aus der im alten Bau etwas altbacken geratenen, aber doch informativ gemachten Römer-Ausstellung ist jetzt so eine Art Kindergarten geworden. Die gezeigten Objekte selbst bemerkt man kaum in diesem Albtraum aus orange und rot. So kann man vielleicht ein Computerspiel gestalten, aber keine Ausstellung von antiken Objekten. Von den drei größeren künstlerischen Artefakten aus Bregenz ist eines (die Hand der Monumentalskulptur) nicht mal hier zu sehen, sondern irgendwo in einer anderen Dauerausstellung. Dabei sind die Fragen, die erörtert werden, durchaus interessant (Was kann man mit archäologischen Methoden eigentlich wirklich herausfinden und was ist eher romantische Folklore?), aber der infantile Zugang verleidet einem den Aufenthalt in der Ausstellung. Nichts gegen Museen für Kinder: aber diese Ausstellung hätte ich auch als Kind schon doof und aufdringlich gefunden. Und auch schon als Kind hat mir die alte Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum, als es noch nicht drei Rechtschreibfehler im Namen hatte ("vorarlberg museum"), durchaus gefallen. Über historische Ausstellungsformen (Anordnung von Objekten nach Form und Funktion) macht man sich jetzt mittels Bildern und Bildunterschrift geradezu lustig, dabei macht das heutige Museum genau dasselbe in den Schaudepots, nur geht's da nicht um Gräberfunde, sondern um Volkskundliches.

Grandios in jeder Hinsicht ist die Sonderausstellung "African Lace" (Koproduktion mit dem Weltmuseum Wien), die den Erfolg der Vorarlberger Stickereiindustrie in Nigeria beleuchtet. Toll gemacht, mit Ausstellungsstücken, von denen man (also ich wenigstens) niemals ahnte, dass so etwas überhaupt existiert, und mit Fotos und vielen weiteren Informationen erfährt man auch etwas über die moderne nigerianische Gesellschaft abseits von gängigen Klischees.

Die restlichen Dauerausstellungen (die aber als "work in progress" verstanden werden) sind etwas wild und assoziativ, aber doch sehr interessant gemacht, für Zugereiste vielleicht weniger als für die, die mit Vorarlberg und seiner Geschichte schon ein bisschen etwas anzufangen wissen. Die Ausstellung "Sein & Mein" mit einer akustischen Reise durch Vorarlberg, die an Objekten festgemacht ist, fand ich außergewöhnlich interessant, die Dauerausstellung "Making of Vorarlberg" ist konventioneller, aber durch viele etwas schräge Bezüge zwischen den Objekten auch anregend. Bezüge zur deutschen Nachbarregion Oberschwaben sind leider nur sehr spärlich gesetzt. Positiv fällt auf, dass aus der begeisterten Nazivergangenheit fast der gesamten Vorarlberger Kunst- und Politikelite in der Ausstellung kein Hehl gemacht wird - auch für das heutige Österreich ist das noch recht erstaunlich und womöglich sogar mutig.

Leider wurde die bisher gezeigte Kunstsammlung fast ganz ins Depot verbannt. Die Gemälde von Angelica Kauffmann (kein einziges zu sehen! nur eher langweilige Stiche im Schaudepot) oder auch Rudolf Wacker (nur ein Bild zu sehen!) fehlen schmerzlich. Auch von den mittelalterlichen Skulpturen, von denen das Landesmuseum doch einige schöne Beispiele besitzt, ist fast gar nichts ausgestellt.

Dafür bietet das Museum einen riesigen glasbedeckten, leeren Lichthof über alle Etagen, der museal völlig ungenutzt bleibt und so auch keine Aufenthaltsqualität hat, sondern eher beklemmend wirkt, und in dieser Form höchstens als Denkmal für selbstverliebte Architekten taugt. In diesen leeren Raum könnte man wahrscheinlich das neue Ravensburger Kunstmuseum hineinstellen und hätte noch Platz übrig... So eine Platzverschwendung, und dafür die Kunst ins Depot, das fällt doch sehr negativ auf.

Dennoch das Fazit: unbedingt besuchenswert!

http://www.vorarlbergmuseum.at/

schwabenkinder.eu

Mit wahrscheinlich recht viel EU-Geld wurde das ambitionierte internationale Schwabenkinder-Ausstellungsprojekt auch ins Netz gestellt, unter anderem mit einer Personendatenbank:

http://www.schwabenkinder.eu/de/Datenbank/datenbank-suche/

Das ganze sieht auf den ersten Blick ganz gut aus (wenn auch unerfindlich bleibt, warum der amerikanische Artikel von 1908 in der Zeitleiste unter 1891 auftaucht). Vor allem an die Lehrer wurde gedacht, denn es sind unter "Downloads" einige Unterrichtsmaterialien zu finden.

Leider wurde wie immer Wikisource totgeschwiegen, dabei bietet http://de.wikisource.org/wiki/Schwabenkinder schon seit Jahren einiges, was dort nicht einmal erwähnt wird.

Kleine Presseschau zum Kunstmuseum

Es sind nun doch schon einige Artikel erschienen, und die Kritik ist durchweg positiv, soweit ich das überblicke.

www.kunstmuseum-ravensburg.de ... pressestimmen ist leider nicht aktuell.

Eine kleine Auswahl:

* Badische Zeitung, 8. März 2013, Lob der Einfachheit von Falk Jaeger

* db Deutsche Bauzeitung, Heft 1–2/2013, Empathie zum Bestand, S. 49-55 (nicht kostenfrei online, Zugang); sowie Ortstermin

* Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Februar 2013, Feuilleton: Venezianisch schön in eine bessere Zukunft von Timo John (nur zur Architektur), nicht kostenfrei online

* Schwäbisches Tagblatt, 8. März 2013: Kunstmuseum Ravensburg feiert farbenfrohe Emotionen von Jürgen Kanold

* Der Standard, Wien, 22. März 2013: Ein Knaller aus alten Steinen von Wojciech Czaja

* Stuttgarter Zeitung, 19. Dezember 2012: Ein Haus, das die Stadt weiterbaut von Amber Sayah (PDF auf der Seite des Kunstmuseums)

* Stuttgarter Zeitung, 17. März 2013: Aufwertung der Emotionen von Eva Kirn-Frank

* Süddeutsche Zeitung, 14. März 2013, Feuilleton: Wenn sich Glücksfälle summieren von Gottfried Knapp, nicht kostenfrei online

* Südwestrundfunk (Fernsehen), 16. März 2013: Landesschau KulTour (Link zur Mediathek)

* Südwestrundfunk (SWR2), 16. März 2013: Hausbesuch im Kunstmuseum Ravensburg von Reinhard Hübsch (Link zur ARD-Mediathek)

* Tages-Anzeiger, Zürich, 26. März 2013 (?), nicht online

* Vorarlberger Nachriten, 28. März 2013: Unter altem Gewölbe Neues erleben von Christa Dietrich (nur mit Anmeldung, über Google News aber absurderweise ohne Anmeldung lesbar)

* Videos bei Youtube:
Ravensburg Kunstmuseum von VVRegioTV
Das neue Ravensburger Kunstmuseum 2013 von Regio TV Euro 3/Pressestelle der Stadt Ravensburg

Die vielen Artikel in der Schwäbischen Zeitung habe ich weggelassen, sie sind dort in einem eigenen Themendossier zu finden. Auch die Suche nach "Kunstmuseum Ravensburg" bei www.suedkurier.de ergibt zahlreiche Resultate.

Erster Eindruck

(Kunstmuseum Ravensburg)

So, jetzt war ich auch mal (leider vorerst nur kurz) im neuen Museum. Das Haus ist schön, die Sammlung sehenswert (auch wenn das Zeug im 2. OG eher von der altbekannten Sorte "hätt ich auch noch hinbekommen" ist), die Ausstellung wohldurchdacht kuratiert, aber das Personal achtet mit Argusaugen auf die Besucher, so dass keine entspannte Stimmung aufkommen will. Da die Beschriftungen sämtlich winzig klein und im 1. OG auch noch weiß auf grau sind, kommt man aber nicht umhin, ständig sozusagen mit der Nase an die Wand zu stoßen, was dann wieder die Arguswächter auf den Plan ruft. Das schlimmste im Museum ist allerdings das umfassende Photographierverbot, das auch noch proaktiv durch (immerhin freundliche) Ansprache durchgesetzt wird. Einerseits in den Beschriftungen auf die "Youtube- und Twitter-Generation" zu verweisen, andererseits das obrigkeitliche 19. Jahrhundert heraufbeschwören: das passt nicht zusammen, und das gefällt mir NICHT. Das gefällt mir sogar GANZ UND GAR NICHT. Nur als Denkanstoß: Mund-zu-Mund-Propaganda umfasst heute nun mal auch das Smartphone und ist auch Kamera-zu-Auge-Propaganda.

Und wenn sie's mit dem Urheberrecht begründen: Zumindest E. L. Kirchner, Otto Mueller und Jawlensky sind gemeinfrei. Und die Architekten werden sich eh nicht drum scheren. Und fotografieren darf man das andere ja durchaus immer noch, nur nicht unbedingt veröffentlichen. Da reicht eine freundliche Erläuterung ("Fotografieren erlaubt, aber obacht beim Veröffentlichen im Internet.")

Herzlich willkommen, Kunstmuseum!

Dass ich das noch erleben darf: Ravensburg hat jetzt vier Museen. Vor 4 Jahren waren es noch null.

Das von vielen im Vorfeld so kritisierte Kunstmuseum wird sich als Publikumsmagnet und Bervölkerungsliebling erweisen, da bin ich ganz sicher. Zumal Nicole Fritz in der eigentlich recht kurzen Zeit, die sie vor der Eröffnung zur Verfügung hatte, wie ein Wirbelwind durch Ravensburg fegte, ein riesiges Programm auf die Beine gestellt hat und vor allem unglaublich viele junge Leute mit ins Boot geholt hat. Jedenfalls wirkt das museumspädagogische und vermittelnde Programm des nagelneuen Museums so, als wäre es schon 10 Jahre lang in Betrieb. Auch wenn mich die moderne bildende Kunst im großen und ganzen gar nicht mal so sehr interessiert, freue mich schon auf den ersten Besuch dort: gut gemachte Museen und Ausstellungen erfreuen immer, und ich bin da hoffnungsfroh und schon sehr gespannt auf die nächsten Jahre.

Der einzige Wermutstropfen sind die Eintrittspreise. Während man ins Mehrspartenmuseum der Stadt Biberach, das alte und moderne Kunst, Stadtgeschichte und Spielzeug zeigt, für einmal 4 Euro kommt, kostet in Ravensburg jedes Museum extra, und zwar nicht wenig. Die Jahreskarten von Humpis- und Kunstmuseum sind allerdings wiederum recht günstig, und Kinder und Jugendliche haben dort freien Eintritt.



http://www.kunstmuseum-ravensburg.de/

http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstmuseum_Ravensburg

Kachelofen, um 1450

Ein Kachelofen aus Ravensburg im Victoria & Albert Museum in London:



Mehr Bilder:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Stove_from_Ravensburg_%28Victoria_%26_Albert_Museum%29

Der Ofen in der Objektdatenbank des Museums:

http://collections.vam.ac.uk/item/O88781/stove/

Eine Dornier 217, ein Baby und eine beherzte Großmutter

Die Industrie im Bodenseegebiet, die diese Landschaft im 20. Jahrhundert so reich gemacht hat und immer noch macht, war immer auch Rüstungsindustrie. Erst in jüngster Zeit wird dies in der Region selbst auch kritisch wahrgenommen (siehe etwa die Links in einem früheren Blogeintrag).

In London kommt zur Zeit ein Dornier-Flugzeug in seiner Eigenschaft als deutscher Kampfbomber im Zweiten Weltkrieg zu künstlerischen Ehren. Danke an David Altheer, Autor des Stadtteilblogs „Loving Dalston“, für die freundliche Genehmigung zur Übernahme des Artikels A PLANE E8 LOOK AT ONE LIFE.

Ein Kinderwagen unter der Silhouette eines Bombers aus dem Zweiten Weltkrieg in Originalgröße – diese dramatische Ansicht erwartet den Besucher, der durch einen viktorianischen Portalbogen Londons neueste Pop-Up-Galerie betritt (so werden an den ungewöhnlichsten Stellen aus dem Boden sprießende Kunstgalerien dort genannt). Es handelt sich um die Bild-Autobiographie von Vaughan Grylls, der dem Rattern des Maschinengewehrfeuers einer Dornier 217 E-8 nur knapp entkam, als ihn seine Oma 1944 als Baby mitsamt Kinderwagen aus der Schusslinie zog.

Grylls erklärt: „Dieses Werk, meine Autobiographie, beginnt damit, dass meine Großmutter meinen Kinderwagen von der Treppe von Odessa rettet" – er beruft sich auf die klasssiche Szene aus Eisensteins Stummfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ von 1925, in der inmitten von bewaffneten Kämpfen ein Kinderwagen die riesige Freitreppe herunterrollt. „Nach dem Tod meiner Großmutter vor fünf Jahren erbte ich eine große Sammlung von Familienfotos. Eines Tages legte ich all die Fotos nebeneinander auf den Fußboden und schritt in Socken und auf Zehenspitzen durch mein Atelier. Ich stieß auf ein Foto von mir mit 18 Monaten, mit meinem Kinderwagen im Hintergrund. Da erst erinnerte ich mich an diese außergewöhnliche Geschichte.” Er montierte etwa 1.000 Bilder in Form des Flugzeugs, das ihn fast tötete.

Dieses Kunstwerk mit dem Titel „Grandmother“ wäre wohl unbekannt geblieben, hätte die 26jährige Megan Piper sich nicht bei der (logistischen) Arbeit an einer Ausstellung der Werke vergessener Künstler in der Ikon Gallery in Birmingham dazu entschlossen, eine Pop-Up-Gallery für ältere Künstler in London zu eröffnen, und hätte sie nicht bei einem Besuch im Stadtteil Dalston von dem leerstehenden alten Gemeindesaal „im alpenländischen Stil“ erfahren, der dort zu vermieten war. Das Ergebnis, die Piper Gallery im Gemeindesaal von St. Mark's, ist die wohl schickste Pop-Up-Galerie in ganz London.


The Piper Gallery
St Mark’s Church Hall
Colvestone Crescent
London E8 2NQ
http://www.thepipergallery.com/

Ein Bild des Kunstwerks gibt es als Illustration zum Originalartikel hier:
http://lovingdalston.co.uk/2011/05/a-plane-e8-look-at-one-life/


Technische Informationen zur Dornier 217 in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dornier_Do_217

Löffel für Zucker

Gar nicht selten findet in den Museen der Metropolen unverhofft Werke von oberschwäbischen Künstlern. In Frankfurt im Museum für angewandte Kunst (früher als "Museum für Kunsthandwerk" bekannt) z. B. einen Löffel der 1958 in Ravensburg geborenen Designerin Elisabeth Heine:

Bilder Hochladen

"Löffel für Zucker"; Silber, Brillanten, Rubin, Saphir, Turmalin, Edelstahl; Pforzheim 1990; Inv.-Nr. 15144

Bei galerie-slavik.com finden sich einige biograhpische Daten und weitere Werke.
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Oberschwäbische Mannigfaltigkeiten

Historisch-litterarisch-bibliographisches Journal der schönen Wissenschaften und der freyen Künste

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