Aus
„Ravensburg und sein Verkehrsleben in den letzten dreihundert Jahren“, erschienen 1911 und seit heute nachzulesen bei Wikisource:
Planmäßig die Landstraßen in ununterbrochen gutem Zustand zu erhalten, das war von vornherein ein Gedanke, der jenen Zeiten ziemlich ferne lag. Man wartete vielmehr ruhig ab, bis eine Straße allmählich unbenutzbar zu werden anfing und Klagen darüber einliefen. Geschah dies, so erhob sich unter den beteiligten Herrschaften nur allzuhäufig schon über den Punkt ein Streit, wer zur Reparatur dieser oder jener Strecke verpflichtet sei und welche der anstoßenden Orte und Herrschaften dazu Beihilfe leisten müßten. Mit den Erörterungen darüber konnte eine lange Frist hingehen, und die Schäden wurden immer unerträglicher.
Allzuviel scheint sich ja nicht verändert zu haben…
Und auch Telegramme (gibt’s die eigentlich noch?) dürften sich inzwischen wieder ähnlicher Aufmerksamkeit erfreuen:
Überhaupt waren es anfänglich lange Zeit hindurch nur die großen Geschäftshäuser und Spekulanten, denen der Telegraph als gewöhnliches Verkehrsmittel diente, während er bei der Masse der Bevölkerung für die Regel nur als der Bringer unvermuteter Unglücksbotschaften galt, und es war früher etwas ganz Gewöhnliches, daß das bloße Erscheinen eines Depeschenboten, noch ehe man überhaupt wußte, was er brachte, in einem Hause schon blassen Schrecken oder gar weibliche Ohnmachten hervorrief.
Aber immerhin erfahren wir in den Anmerkungen noch, dass ein gesetzliches Rauchverbot in Ravensburg gar nicht nötig ist, da es schon längst besteht und nie aufgehoben wurde:
Den 16. April 1657 erging ein Rauchverbot folgenden Inhalts. „Bei Strafe eines Reichstalers soll niemand keinen Toback trinken, es würde ihm dann durch den Medicum verordnet.“ Aufgehoben ist dieses Verbot niemals worden; es ging damit, wie mit den meisten Verordnungen des Stadtrates, die, wenn sie nicht in der Folge wieder eingeschärft und erneuert wurden, bald der Mißachtung und zuletzt völliger Vergessenheit anheimfielen.
Ich werde mal die versammelte CDU-Fraktion in der verrauchten Ratstube fragen müssen, ob die Damen und Herren ihr ärztliches Rezept auch brav dabei haben.
Update 2008: Was lange währt, wird endlich gut. Rauchfreie Lokale in RV. Nach fast 200 Jahren wird das alte Stadtrecht endlich auch unter württembergischer Fremdherrschaft durchgesetzt. :-)
Ladislaus – Donnerstag, 2. November 2006, 21:50 – Rubrik:
Kuriosa