[>>]

Kuriosa

Verwirrung am Rutenfest

Nichts gegen den Blick von außen, aber irgendein Ravensburger hätte den von der Stadt herausgegebenen neuen Prachtband ja schon mal vor der Drucklegung durchlesen können.

Beispiel S. 41:

"Dann: Trommeltakt und Pfeifenklänge. Ein bisschen erinnert es an schottische Folklore mit Dudelsack, aber als der Zug heranmarschiert, erkennt man mittelalterlich gewandete „Landsknechte“, deren Pfeifen mit Fuchspelzen geschmückt sind."

Aha.


StadtLeben Ravensburg
ISBN 9783981133356

Zwangsentspannung

Selten genug, dass der Landkreis Ravensburg im Reiseteil einer überregionalen Zeitung erwähnt wird. Und dann noch mit dem wunderbaren Satz:

Ob Bad Waldsee – romantisch zwischen Seen gelegen, Bad Wurzach – mit dem größten intakten Hochmoor Mitteleuropas oder Bad Wörishofen, wo Pfarrer Kneipp wirkte – auf der Schwäbischen Bäderstraße kneippen inzwischen nicht nur Alte, sondern immer mehr ausgebrannte Jungmanager, denen hier nichts anders übrig bleibt, als in absoluter Ruhe zu entspannen.


(Edith Kresta in der taz vom 4. Juli 2009)

Kneipp-Kur, 1894

Hausnamen

Wenn man Anton Tantners Fachblog Adresscomptoir regelmäßig liest, geht man mit anderen Augen durch die Welt: alte und neue und sonderbare Hausnummern und ähnliches fallen einem dann besonders auf.

So auch dieses Beispiel von, äh, neo-archaischen Hausnamen (mir fehlen ein wenig die Worte) in einem ländlichen Ortsteil von Bad Waldsee:



Einfach, aber sicherlich unglaublich effizient. Wo "Mufti" wohnt, müsste man sonst ja erst mühsam erfragen, da hilft wohl auch kein Telefonbuch. Hinter den Namen könnte natürlich auch mehr stecken: Kiwi lebt offenbar mit Anne und Rosi (Nebenfrau? Tochter?) zusammen. Ist der anscheinend später hinzugefügte Alexander ein neugeborenes Kind? Wenn ja: von wem? Wieso hat Kiwi zwei Frauen, Mufti aber keine? Und was sagt die Kirche dazu, die ja immerhin über allem thront? Fragen über Fragen.

Kulturpessimistische Beobachtungen

1)

Heute auf eBay gelesen:

Frage: Hallo, bitte nennen Sie den Autor, wenn bekannt.

Antwort: Hallo, leider können wir die gothische Schrift nicht entziffern. Könnte Enazinth Wläckerle oder auch Wäckerle heißen

Unsere Gebrauchtbuchhändler sind auch nicht mal, was sie mal waren... Wohlgemerkt: es geht um ein gedrucktes Buch von 1875, keine Handschrift von 1560.

2)

Bei einer der immer häufigeren nichtkirchlichen Beerdigungen in einer oberschwäbischen Mittelstadt eierte der Redner kürzlich wie gewohnt in den Untiefen populär aufbereiteter Philosophie und Pseudophilosophie herum ("Lebenskreis geschlossen", "Kann das wirklich alles gewesen sein"), was per se nicht weiter schlimm wäre, nicht einmal der bemühte Verzicht auf das Wort "Gott", à la "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen". Zum "göttlichen Funken" reicht es gemeinhin bei solchen Reden doch noch, und das "Ave Maria" von Bach/Gounod darf ja ohnehin nie fehlen. Dennoch dürfte eine regelmäßige Übertragung solcher Feiern in Funk und Fernsehen das Mittel der Wahl gegen Kirchenaustritte sein.

Das dort eigens an alle Besucher verteilte Blatt war allerdings einzigartig und in diesen Breiten noch nie gesehen. Es enthielt - ausschließlich - den Text des... *Trommelwirbel* Vaterunsers. Immerhin wurde das Blatt von der überwiegenden Mehrzahl der Besucher dann doch nicht verwendet.

Schwäbische Zeitung von 1849

Eine solche hatte ich wohl heute in der Hand. Der gebeutelte Milliardär Merckle will Firmen verkaufen, und am Rückkauf der Hälfte der Zollernwerke soll das, ich zitiere, "Fürstentum Hohenzollern" höchst interessiert sein. Naja, "Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern" ist eben weniger griffig. Schwacher Trost: Die FAZ hat diesen Unsinn auch (und wohl zuerst?) geschrieben.

Flagge der Fürstentümer Hohenzollern-Hechingen und -Sigmaringen

Studieren wo andere Urlaub machen!

(Zitat von der Homepage der Berufsakademie Ravensburg)



Das Bild vom Seminarcontainer in der Weinbergstraße ist dort und in den BA-Filmchen bei youtube erstaunlicherweise nicht zu finden...

Straßenbau, Telegramme und Rauchverbote

Aus „Ravensburg und sein Verkehrsleben in den letzten dreihundert Jahren“, erschienen 1911 und seit heute nachzulesen bei Wikisource:

Planmäßig die Landstraßen in ununterbrochen gutem Zustand zu erhalten, das war von vornherein ein Gedanke, der jenen Zeiten ziemlich ferne lag. Man wartete vielmehr ruhig ab, bis eine Straße allmählich unbenutzbar zu werden anfing und Klagen darüber einliefen. Geschah dies, so erhob sich unter den beteiligten Herrschaften nur allzuhäufig schon über den Punkt ein Streit, wer zur Reparatur dieser oder jener Strecke verpflichtet sei und welche der anstoßenden Orte und Herrschaften dazu Beihilfe leisten müßten. Mit den Erörterungen darüber konnte eine lange Frist hingehen, und die Schäden wurden immer unerträglicher.

Allzuviel scheint sich ja nicht verändert zu haben…

Und auch Telegramme (gibt’s die eigentlich noch?) dürften sich inzwischen wieder ähnlicher Aufmerksamkeit erfreuen:

Überhaupt waren es anfänglich lange Zeit hindurch nur die großen Geschäftshäuser und Spekulanten, denen der Telegraph als gewöhnliches Verkehrsmittel diente, während er bei der Masse der Bevölkerung für die Regel nur als der Bringer unvermuteter Unglücksbotschaften galt, und es war früher etwas ganz Gewöhnliches, daß das bloße Erscheinen eines Depeschenboten, noch ehe man überhaupt wußte, was er brachte, in einem Hause schon blassen Schrecken oder gar weibliche Ohnmachten hervorrief.

Aber immerhin erfahren wir in den Anmerkungen noch, dass ein gesetzliches Rauchverbot in Ravensburg gar nicht nötig ist, da es schon längst besteht und nie aufgehoben wurde:

Den 16. April 1657 erging ein Rauchverbot folgenden Inhalts. „Bei Strafe eines Reichstalers soll niemand keinen Toback trinken, es würde ihm dann durch den Medicum verordnet.“ Aufgehoben ist dieses Verbot niemals worden; es ging damit, wie mit den meisten Verordnungen des Stadtrates, die, wenn sie nicht in der Folge wieder eingeschärft und erneuert wurden, bald der Mißachtung und zuletzt völliger Vergessenheit anheimfielen.

Ich werde mal die versammelte CDU-Fraktion in der verrauchten Ratstube fragen müssen, ob die Damen und Herren ihr ärztliches Rezept auch brav dabei haben.

Update 2008: Was lange währt, wird endlich gut. Rauchfreie Lokale in RV. Nach fast 200 Jahren wird das alte Stadtrecht endlich auch unter württembergischer Fremdherrschaft durchgesetzt. :-)

Über Ravensburger Wein…

… wusste schon 1851 ein Engländer die passenden Worte zu finden. :-)

Siehe dort.
logo

Oberschwäbische Mannigfaltigkeiten

Historisch-litterarisch-bibliographisches Journal der schönen Wissenschaften und der freyen Künste

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Mevlana-Moschee
Ravensburg kann stolz darauf sein, anti-islamische,...
Ladislaus - 3. Dez, 09:22
Wunderwürckender...
Google und die Bayerische Staaatsbibliothek haben ein...
Ladislaus - 24. Nov, 15:51
Einige Gedichte Wagemanns...
Einige Gedichte Wagemanns sind in folgender Anthologie...
Ladislaus - 17. Nov, 19:43
Verwirrung am Rutenfest
Nichts gegen den Blick von außen, aber irgendein...
Ladislaus - 12. Nov, 13:01
Ravensburg 1792
Die erste gedruckte längere Beschreibung von Ravensburg...
Ladislaus - 8. Okt, 21:41

Twitter

Suche

 

Status

Online seit 447 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Dez, 09:22