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Bücher und Bibliotheken

Wunderwürckender Gnadenbrunnen

Google und die Bayerische Staaatsbibliothek haben ein Buch von 1735 zur Heilig-Blut-Verehrung in Weingarten gescannt:

Wunderwürckender Auf dem Heil. Calvari-Berg entsprungener Gnaden-Brunnen, Das ist Gründlicher Bericht, und außführliche Beschreibung deß Hochheiligen, und Wunderthätigen Hertz- und Seiten-Bluts Christi Jesu, Welches Von Longino dem Soldaten erstlich nacher Mantua gebracht; alsdañ in drey Theil abgetheilet, deren einer von Juditha deß Grafens Balduini in Flandern Tochter, und Guelfonis deß Vierdten Gemahlin, dem Reichs-Gottshauß Weingarten verehret, Altdorf 1735

Neben allerlei Erbaulichem und (Pseudo-)Historischem enthält der Band ganze 295 mehr oder weniger interessante, kurze Berichte über Wunderheilungen mitsamt Namen, Herkunft und Leidensgeschichte der Geheilten. Ab S. 119 schließt eine recht ausführliche Beschreibung des Blutritts das Buch ab.

Bayerische Staatsbibliothek (momentan dort noch nicht verfügbar):
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10263048-1

Google Books (dort bereits vorhanden, und ohnehin deutlich komforabler für das Online-Lesen):
http://books.google.com/books?id=r9I8AAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de


Ravensburg 1792

Die erste gedruckte längere Beschreibung von Ravensburg beleuchtet das politische und wirtschaftliche Leben der Reichsstadt kurz vor dem Ende des Alten Reichs. Es handelt sich um einen fast 20 Spalten langen Lexikonartikel im 1792 erschienenen 2. Band von Philipp Ludwig Hermann Röders Geographischem Statistisch-Topographischem Lexikon von Schwaben, einem Urahn der späteren württembergischen Landesbeschreibung. Im Gegensatz zu anderen Lexikonartikeln der Zeit verrät dieser durchaus aktuelle Ortskenntnis. Beim Lesen fällt schnell auf, dass der Autor dem evangelischen Teil der paritätischen Reichsstadt angehören muss. Kirchengeschichte ist für ihn Reformationsgeschichte, und die Einmischung der Weingartener Äbte in die nur sehr eingeschränkt geglückte Ravensburger Reformation erregt ihn noch 200 Jahre danach. Der Name des Autors wird nicht erwähnt, war aber sicherlich kein Geheimnis. In Gradmanns ''Gelehrtem Schwaben'' (S. 30-33) von 1802 und in Ebens Stadtgeschichte von 1835 wird er (Bd. 1, S. XII und Bd. 2, S. 230) genannt: es handelt sich um Johann Georg Beck, einen gebürtigen Ravensburger und evangelischen Pfarrer daselbst.

Die Ausführungen zu den Konfessionen sind besonders aufschlussreich. Beck lobt die Toleranz seiner aufgeklärten Zeit, derentwegen die Parität in Ravensburg nicht wie in anderen Städten „bei dem unbedeutendsten Anlaß Raufereien erzeugt“:

Sowohl unter den evangelischen als katholischen Einwohnern herrscht viele Aufklärung und Toleranz. Steife Schildbürgerei und ängstliche Entfernung der beiden Religionstheile von einander, die noch vor 30 Jahren hier herrschend war, ist nicht mehr zu finden. Katholische Dienstboten dienen bei evangelischen Geistlichen; bei allgemeinen und einzelnen Volksfesten nimmt jeder Religionstheil, ohne Zwang, Antheil, auch das steife Reichsstädtische Zeremoniel bei Hochzeiten, Leichen, Kindtaufen ist abgeschaft, auch bei Gastmalen, Konzerten, Badgesellschaften, Trink- und Spielklubbs, ist weder Religionsunterschied noch Zwang zu spüren. Die Katholischen führen hier keinen Palmesel und sogenannten Funkenkloz mehr umher, welche Possen schon seit 10 Jahren abgeschaft sind. Die evangelischen Geistlichen gehen in gefarbten Kleidern, und besuchen das Schauspiel, ohne Aufsehen zu erregen, da in Augsburg die evangelischen Geistlichen es nicht wagen dürfen bei Tag ohne ihren langen Korrok und steifen Kragen zu erscheinen.

Den ganzen Artikel kann man als Scan der Bayerischen Staatsbibliothek und als E-Text bei Wikisource lesen.


Guckkastenbild des Karmeliterklosters mit Evangelischer Stadtkirche, 1785

Monsieur, der Hummer und ich

Ein Hamburger Blogger veröffentlicht ein Buch mit Geschichten rund um das Kochen und Essen mit dem schönen Titel Monsieur, der Hummer und ich, garniert mit passenden Rezepten, schönen Schwarz-weiß-Bildern und einer außergewöhnlich gelungenen Buchgestaltung. Die Texte lesen sich wunderbar, und wenn man nicht dauernd zwischendurch Hunger bekäme, würde man das Buch gerne in einem Rutsch durchlesen. Aber was hat das mit Oberschwaben zu tun? Stevan Paul ist in Ravensburg aufgewachsen und machte seine Kochlehre in einem bekannten Sterne-Restaurant am Marienplatz in Ravensburg. Und Erfahrungen aus dieser Zeit werden in dem Buch auch ausgiebig verarbeitet. Wer das Vorbild für Monsieur ist, kann daher für keinen Ravensburger ein großes Geheimnis sein...

Stevan Paul: Monsieur, der Hummer und ich. Erzählungen vom Kochen
Mairisch Verlag, Hamburg 2009
Hardcover in Feinleinen. 176 Seiten. 18,90 €
ISBN 978-3-938539-12-5



Informationsseite des Verlags mit Links zu Rezensionen:
http://www.mairisch.de/stevan-paul_monsieur-der-hummer-und-ich.htm

Das Blog des Autors:
http://www.nutriculinary.com/

Lesung und Interview bei erlesen.tv:
http://www.erlesen.tv/04-09-09-stevan-paul/

Urgeschichte der Welfen

Ein Google-Digitalisat von 2008 aus Lausanne:

Johann Gottfried Eichhorn: ''Urgeschichte des erlauchten Hauses der Welfen'', Hannover 1816

http://www.google.de/books?id=rBsVAAAAQAAJ

Naturgemäß mit Erwähnung Altdorfs, Weingartens und Ravensburgs.

Zum Autoren siehe den Wikipedia-Artikel.

Ravensburger Brunnen


In kleiner Auflage im Selbstverlag hat die Ravensburger Hobbyfotografin Hannelore Schattner einen 68seitigen, durchgehend farbigen Bildband veröffentlicht, in dem 44 Brunnen im Gebiet der Kernstadt Ravensburg vorgestellt werden. Vom Schad-Brunnen bis zum Holderbrunnen, vom Kreuzbrunnen bis zum Brunnen in der Mitte des Gänsbühl-Einkaufszentrums reicht die Bandbreite.

Ehrlich gesagt kannte ich ein gutes Dutzend davon überhaupt nicht, und an einem weiteren Dutzend bin ich sicher schon oft vorübergegangen, ohne mir die jeweilige Anlage auch nur 5 Sekunden lang anzusehen oder überhaupt als Brunnen wahrzunehmen. Doch gerade die Details, vor allem die der auf den ersten Blick unscheinbaren gußeisernen Brunnen, sind näherer Betrachtung wert.

Hannelore Schattner geht mit offenen Augen durch die Stadt: das Buch ist so vollständig wie wohl irgend möglich, regt zu eigenen Entdeckungswanderungen an und ist schon daher eine willkommene Bereicherung des Bücherregals mit Ravensburgica. Die Daten zur Geschichte der Brunnen, zu Künstlern und technischer Funktion ergänzen die Fotos ideal.

Bezugsmöglichkeit siehe Beitrag im Südkurier

Schweizer Zeitschriften

Was lange währt, wird endlich gut. Die Schweiz hat die Digitalisierung entdeckt und macht es recht gut.

http://retro.seals.ch/

Gerade die Schweizer Zeitschriften zur Geographie, Geschichte und Architektur sind natürlich für den Bodenseeraum und teilweise auch Oberschwaben sehr interessant.

Bodenseebibliotheken, erneuter Versuch

Im März 2007 wurde die Website http://www.bodenseebibliotheken.de/ in der Presse angekündigt (wir berichteten), und seither schaue ich in unregelmäßigen Abständen, ob sich da was tut. Jetzt, im März 2009, bin ich erstmals fündig geworden.

Nach der damaligen Ankündigung der "Digitalisierung der wichtigsten Zeitschriften", für die "500'000 Seiten eingescannt und digitalisiert" werden sollten, navigiere ich also gespannt durch die Seite. Bislang ist das Angebot eine einzige Enttäuschung, da es ausschließlich aus Kurzbeschreibungen der Mitgliedsbibliotheken und vielen Links in die sattsamen bekannten und etwas chaotischen Angebote des BSZ besteht. Neu digitalisiert wurde bisher gar nichts - jedenfalls ist nichts davon zu finden, von einer ziemlich unbrauchbaren Verlinkung zur bereits bekannten in Österreich digitalisierten Zeitung "Montfort" abgesehen (dort so verlinkt, sinnvoller wäre das). Bleibt zu hoffen, dass das Digitalisierungsprojekt nicht tot ist und wirklich im Hintergrund daran gearbeitet wird.

Unter Links wird man auf die Linksammlung "Kulturraum EUREGIO Bodensee - KEBweb" aus den Urzeiten des WWW weitergeleitet, deren Konzept seit gefühlten 20 Jahren schon veraltet ist.

Fazit: zwei Jahre gewartet für nichts und wieder nichts. Diese Seite hätte ich an einem Nachmittag zusammenfrickeln können. Wer digitalisierte Inhalte zum Bodensee sucht, ist angesichts der anhaltenden Digitalisierungsfaulheit in Baden-Württemberg und in der Schweiz (dort geht es allerdings nun endlich los) mit den paar Links und Texten bei Wikisource immer noch am besten bedient.

Grimms Altdorf digitalisiert

Michael Grimm: Versuch einer Geschichte des ehemaligen Reichsfleckens und des jetzt noch so berühmten Wallfahrtsortes Altdorf, gen. Weingarten, nebst seiner Umgebung, Ravensburg 1864

Digitalisat bei Google: http://www.google.de/books?id=BmwAAAAAcAAJ

Mehr zum Verfasser in der Wikipedia und bei Wikisource (dort auch E-Texte der in dem Werk enthaltenen Sagen).

Die hend doch no 1944 Wiechaaard gläääse!

Die Kartei des Widerstands

Erinnerungen an eine oberschwäbische Versandbuchhandlung

Von Jörg Schröder/Barbara Kalender

http://www.jungewelt.de/2009/01-23/024.php

Ein sehr lesenswerter kurzer Artikel über die Versandbuchhandlung Josef Rieck in Aulendorf, zu deren Kundenkreis die Geschwister Scholl, die Stauffenbergs, Guttenbergs und die Mitglieder des Kreisauer Kreises gehörten.

Ebens Stadtgeschichte neu bei Google Books

Dank der Kooperation der Bayerischen Staatsbibliothek mit Google Books (die Württembergische Landesbibliothek schläft völlig analog weiter) ist nun auch die erste ausführliche Ravensburger Stadtgeschichte als Digitalisat verfügbar.

Johann Georg Eben: Versuch einer Geschichte der Stadt Ravensburg von Anbeginn bis auf die heutigen Tage, Ravensburg 1835 In den stadtgeschichtlichen Ausführungen vielfach überholt, ist das Werk dennoch lesenswert, schon allein für die Ausführungen der damals neuesten Zeit.
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Oberschwäbische Mannigfaltigkeiten

Historisch-litterarisch-bibliographisches Journal der schönen Wissenschaften und der freyen Künste

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