[>>]

Architektur und Kunst

Man sollte als Steinmetz auch mal "Nein" sagen können

Kitschiger Grabstein

Gesehen auf einem Friedhof bei Biberach/Riß

Fresko im Humpisquartier

Das so genannte „Mohrenfresko“ aus dem 15. Jahrhundert ist ein künstlerisches Highlight im neuen Museum Humpisquartier. Es stammt aus dem Haus Marktstraße 61, das als Zentrale der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft diente. Heute beherbergt dieses Haus das Gasthaus „Mohren“.

Mohrenfresko

Die Wappen stehen für die wichtigsten Mitglieder des heiligen Römischen Reichs. Ganz links die Wappen zweier Herzoge (Bayern und Lothringen), dann die Wappen der sieben Kurfürsten. Daneben noch der Reichsadler als Symbol für das Reich und den Kaiser. Ganz rechts fällt ein Wappen aus der Reihe der Reichsstände: es ist das Wappen des von 1417-1431 amtierenden Papstes Martin V., übrigens ein redendes Wappen – der Papst kam aus der Familie Colonna (= "Säule").

Detail

Unter der Wappenreihe ist eine Turnierszene abgebildet. Leider ist nur die Reihe der vornehmen Zuschauerinnen erhalten, vom Turnier selbst sieht man nur Helme und Helmzier, jedoch keine Körper und Pferde.

Dass sich die städtischen Nicht-, Beinahe- und Möchtegernadligen der Handelsgesellschaft, darunter einige der reichsten Menschen ihrer Zeit, mit der Abbildung von kurfürstlichen und päpstlichen Wappen mitsamt dem hochadligen Turnier in fürstliche Höhen emporschwungen, ist wohl recht vielsagend. Ob man weiß, ob das Fresko zu einem größeren Bildprogramm gehörte, ist mir unbekannt. Es ist jedenfalls reizvoll, sich vorzustellen, wie die restliche Kunst in dieser Konzernzentrale ausgesehen haben mag. Vielleicht eine Reihe mit Wappen der Reichsstädte, dazu eine Szene aus dem Wirtschaftsleben?

Mehr Detailansichten des Freskos gibt es bei den Wikimedia Commons.

Informationen zur Sammlung und Öffnungszeiten siehe www.museumhumpisquartier.de.

Friedhofsvideo

Eine ungewöhnliche Themenwahl für ein Youtube-Video, aber durchaus schön gemacht (wenn man die Musik leise dreht): ein Videoporträt des Hauptfriedhofs Ravensburg, mitsamt der grundscheußlichen neuen Aussegnungshalle.

Kunstskandal billigst abzugeben

Der Protestant Friedrich Wilhelm Scharffenberg spottet in seinem 1713 erschienenen Benimmbuch "Kunst, complaisant und galant zu conversiren":

Ist man in ihren Kirchen oder siehet ihren Processionen zu, so lache man sie nicht öffentlich aus oder rede irgends wo spöttlich davon. Denn man erbittert sie mehr, als dass man sie bessert, und kan davon die größte Ungelegenheit haben, oder in nicht geringe Gefahr gerathen. Bei den Frohnleichnams Feste behalte man ja den Hut nicht auf, man vergiebt seiner Religion dadurch nichts, sonst schmeissen sie einen auf den Kopf, zur Erinnerung, daß man das Haupt entblößen soll. (Quelle: Google Books)

Es ist fast schon rührend, wie das katholische Herz regelmäßig aufwallt, sobald Literatur, Film oder bildende Kunst, seien sie noch so harmlos oder schlecht gemacht, angeblich den Glauben verhöhnen. Der vom Islam in Sachen Mohammed-Karikaturen so gerne verlangte Schritt zur Aufklärung europäischer Prägung ist hier genausowenig erfolgt. Langsam müsste man doch gemerkt haben, dass nur das konsequente Ignorieren von vermeintlichen Provokationen eine erfolgversprechende Strategie ist, um nicht einerseits ungewollte Werbung für die Werke zu machen und andererseits eine weitere Öffentlichkeit mit den im Laufe der Kampagne unweigerlich geäußerten Stammtischparolen aus der hinterletzten Ecke (à la "entartete Kunst") zu vergrämen. Doch weit gefehlt. Zur Zeit ist in den Leserbriefspalten der Schwäbischen Zeitung wieder dieses ewig gleiche Schauspiel zu betrachten. Es geht um irgendein Gemälde zum Blutritt, wobei das letztlich auch völlig egal ist.

Kunst im öffentlichen Raum

ganz unoffiziell, aber trotzdem und gerade deshalb schön:


Roßstraße, Ravensburg

Tiefgarage wird 20

In diesen Tagen wird die Marienplatz-Tiefgarage 20 Jahre alt.

Erstaunlich gut hat sie sich gehalten, gerade wenn man sie mit anderen Ravensburger Bauten der 80er Jahre vergleicht, die gefühlte 50 Jahre alt wirken (etwa das Gänsbühlcenter oder die Pfannenstielbebauung), oder gar mit Perlen wie der neuen Aussegnungshalle im Hauptfriedhof, die, kaum eröffnet, schon unschön altert und bei der Form und Material fast schon lachhaft der Funktion widersprechen und überhaupt nicht in die Umgebung passen wollen.

Anders die gute alte Marienplatzgarage. Die Räume sind hell und weit (im Gegensatz zu den Parkhäusern Adlerstraße und Frauentor oder der Gänsbühlgarage), durch ständige kleine Renovierungen ist alles halbwegs in Schuss, und das Einparken ist extrem einfach. Heute würde man das wahrscheinlich nicht viel anders bauen. Auch die Zugänge sind ganz gut gemacht und stören an der Oberfläche kaum. Ein weiterer Erfolg: Die paar Quadratmeter rund um die Einfahrt dürften die höchste Verkehrszeichendichte der westlichen Welt aufweisen. Dass die Verkehrsführung an der Einfahrt so absurd ist, liegt aber wohl an der politischen Entscheidung, die Burgstraße entgegen der Planung doch nicht zu sperren.

Marienplatz-Tiefgarage

Alles in allem: ein gelungenes Bauwerk, das man unbedingt mal mit einem Rutenfestabzeichen ehren müsste. Eine Herausforderung an alle Designer!

Kunstwerke auf offener Straße

Bilder einer besonderen Art öffentlich zugänglicher Kunstwerke in Ravensburg gibt es bei Wikimedia Commons: die wunderbaren klassizistischen Wirtshausschilder in der Marktstraße und einige neuere, dazu noch sonstige Ladenschilder.

Wirtshaus Zu den Drei Königen

PS: Wenn die "Stadtmöblierung" erzählen könnte... dann würde das vielleicht so ähnlich klingen wie in Carolyn Londons wunderbarem Video The Lost Tribes of New York City (gefunden bei Stefan Niggemeier).

Chororgel Weingarten dringend sanierungsbedürftig

Spendenaufruf mit einem kleinen Filmbeitrag:

http://www.weingarten-online.de/servlet/PB/menu/1260260_l1/index.html

Die süddeutschen Chorgestühle der Neuzeit

Ebenfalls als Volltext online:

Sybe Wartena: Die Süddeutschen Chorgestühle von der Renaissance bis zum Klassizismus
Dissertation, LMU München: Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften, 2005
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/7999/

Eine monumentale Arbeit mit einem langen, kommentierten Katalog und einer riesigen 1-GB-Datei zum Download, die der beigelegten CD entspricht (doppelt als ZIP gepackt, in vielen Dateien mit nichtssagenden Namen, daher nur sehr aufwändig und schwierig zu nutzen). Noch schöner wäre es natürlich, wenn diese vielen Bilder auch z. B. auf Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt würden.

Der belgische Kunsttischler, Restaurator und Kunsthistoriker Wartena bespricht u. a. auch die Chorgestühle in Weißenau und Weingarten.

Chorgestühl in Weissenau

Wie riecht der oberschwäbische Barock?

Als Volltext online:

Nicolaj van der Meulen: Weltsinn und Sinneswelten in Zwiefalten, in: "kunsttexte", Nr. 1, ,2001, S. 1-26

http://edoc.hu-berlin.de/docviews/abstract.php?id=12233

Direkter Link zum PDF: http://www.kunsttexte.de/download/fofu/meulen.pdf

Ein recht interessanter Ansatz:

"Die Parallelen zwischen der spätbarocken Ästhetik und einigen zeitgenössischen Video- und Rauminstallationen liegen aber nicht nur bei der Synthese der Künste und dem Zusammenspiel der Sinne. Sie beziehen sich auch auf eine Werkstruktur, die räumlich organisiert ist und auf eine Wahrnehmungsweise, die oben als peripatetisch bezeichnet wurde."

Klosterkirche Zwiefalten
logo

Oberschwäbische Mannigfaltigkeiten

Historisch-litterarisch-bibliographisches Journal der schönen Wissenschaften und der freyen Künste

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Mevlana-Moschee
Ravensburg kann stolz darauf sein, anti-islamische,...
Ladislaus - 3. Dez, 09:22
Wunderwürckender...
Google und die Bayerische Staaatsbibliothek haben ein...
Ladislaus - 24. Nov, 15:51
Einige Gedichte Wagemanns...
Einige Gedichte Wagemanns sind in folgender Anthologie...
Ladislaus - 17. Nov, 19:43
Verwirrung am Rutenfest
Nichts gegen den Blick von außen, aber irgendein...
Ladislaus - 12. Nov, 13:01
Ravensburg 1792
Die erste gedruckte längere Beschreibung von Ravensburg...
Ladislaus - 8. Okt, 21:41

Twitter

Suche

 

Status

Online seit 447 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Dez, 09:22