Ravensburg 1792

Die erste gedruckte längere Beschreibung von Ravensburg beleuchtet das politische und wirtschaftliche Leben der Reichsstadt kurz vor dem Ende des Alten Reichs. Es handelt sich um einen fast 20 Spalten langen Lexikonartikel im 1792 erschienenen 2. Band von Philipp Ludwig Hermann Röders Geographischem Statistisch-Topographischem Lexikon von Schwaben, einem Urahn der späteren württembergischen Landesbeschreibung. Im Gegensatz zu anderen Lexikonartikeln der Zeit verrät dieser durchaus aktuelle Ortskenntnis. Beim Lesen fällt schnell auf, dass der Autor dem evangelischen Teil der paritätischen Reichsstadt angehören muss. Kirchengeschichte ist für ihn Reformationsgeschichte, und die Einmischung der Weingartener Äbte in die nur sehr eingeschränkt geglückte Ravensburger Reformation erregt ihn noch 200 Jahre danach. Der Name des Autors wird nicht erwähnt, war aber sicherlich kein Geheimnis. In Gradmanns ''Gelehrtem Schwaben'' (S. 30-33) von 1802 und in Ebens Stadtgeschichte von 1835 wird er (Bd. 1, S. XII und Bd. 2, S. 230) genannt: es handelt sich um Johann Georg Beck, einen gebürtigen Ravensburger und evangelischen Pfarrer daselbst.

Die Ausführungen zu den Konfessionen sind besonders aufschlussreich. Beck lobt die Toleranz seiner aufgeklärten Zeit, derentwegen die Parität in Ravensburg nicht wie in anderen Städten „bei dem unbedeutendsten Anlaß Raufereien erzeugt“:

Sowohl unter den evangelischen als katholischen Einwohnern herrscht viele Aufklärung und Toleranz. Steife Schildbürgerei und ängstliche Entfernung der beiden Religionstheile von einander, die noch vor 30 Jahren hier herrschend war, ist nicht mehr zu finden. Katholische Dienstboten dienen bei evangelischen Geistlichen; bei allgemeinen und einzelnen Volksfesten nimmt jeder Religionstheil, ohne Zwang, Antheil, auch das steife Reichsstädtische Zeremoniel bei Hochzeiten, Leichen, Kindtaufen ist abgeschaft, auch bei Gastmalen, Konzerten, Badgesellschaften, Trink- und Spielklubbs, ist weder Religionsunterschied noch Zwang zu spüren. Die Katholischen führen hier keinen Palmesel und sogenannten Funkenkloz mehr umher, welche Possen schon seit 10 Jahren abgeschaft sind. Die evangelischen Geistlichen gehen in gefarbten Kleidern, und besuchen das Schauspiel, ohne Aufsehen zu erregen, da in Augsburg die evangelischen Geistlichen es nicht wagen dürfen bei Tag ohne ihren langen Korrok und steifen Kragen zu erscheinen.

Den ganzen Artikel kann man als Scan der Bayerischen Staatsbibliothek und als E-Text bei Wikisource lesen.


Guckkastenbild des Karmeliterklosters mit Evangelischer Stadtkirche, 1785

Im Oberland 2009/2

Heute ist das neue Heft der Zeitschrift „Im Oberland“ erschienen.

Inhaltsverzeichnis:
  • Wolf-Ulrich Strittmatter: Vogt, ein oberschwäbisches Dorf, im Dritten Reich (Abschnitt aus dem kürzlich erschienenen Heimatbuch Vogt)
  • Hans Ulrich Rudolf: 1809 – Der Vorhang fällt. Vor 200 Jahren verschwand die Reichsabtei Weingarten
  • Nicola Sieglich: Vor 200 Jahren. „Die Affaire bei Isny“ und der Tod Carl von Lohbauers (über das Gefecht in Isny und den württ. Hauptmann und Dichter Carl von Lohbauer, der dort fiel)
  • Erno Seifriz: Oberschwäbischer Kammerchor 1963 bis 2007. Notizen eines Chorleiters
  • Kai-Michael Sprenger, Stephan Wiltsche: Die Kapitelsbibliothek des ehemaligen Dekanats Wangen. Zur Wiederentdeckung eines bedeutenden historischen Buchbestandes (Die Kapitelsbibliothek entstand 1808 und übernahm im 19. Jh. die bereits im 15. Jh. gegründete Predigerbibliothek Wangen. Die Kapitelsbibliothek wurde 1964 als Depositum in die Klosterbibliothek Weingarten verbracht, blieb dort weithin unbeachtet (so z. B. im Fabian-Handbuch) und wurde erst jetzt wieder ernsthaft untersucht. Der vollständig erhaltene, gewachsene Buchbestand mit ca. 8.000–10.000 Titeln, darunter fünf Inkunabeln, soll jetzt wieder in Wangen aufbewahrt werden. Die Kirchengemeinde stellt dafür einen geeigneten Raum zur Verfügung und erarbeitet derzeit ein Präsentationskonzept.)
  • Ursula Rückgauer: Ein verlässlicher Schutzpatron unserer Denkmale. 30 Jahre Kreisdenkmalprogramm.
„Notizen aus der Region“
  • Ludger Droste: Historische Argenbrücke – von Schülern im Modell nachgebaut (Neumühlbrücke über die Untere Argen oberhalb Dürren)
  • Michael C. Maurer: Gedenkkonzert zu Ehren von Hugo Halt (zum Gedenken an den Aulendorfer Rektor, Dichter und Komponisten, 1878–1959)
  • Andreas Schmauder: Museum Humpis-Quartier Ravensburg
Rezensionen
  • Michael C. Maurer über das Heimatbuch Vogt, ISBN 978-3-00-025080-4
  • Hermann Wax über Marlies Grötzinger: Sapperlott. Schwäbische Gedichte aus dem Oberland, ISBN 978-3-87407-827-6
Dazu wie immer die Kurztitelliste von Neuerscheinungen.

Einige Artikel aus älteren Heften sind hier kostenlos zugänglich:
http://www.landkreis-ravensburg.de/servlet/PB/menu/1073592/index.html

Kreistag


Heute tritt der neu gewählte Kreistag des Landkreises Ravensburg erstmals zusammen. Wer – wie ich – auf Anhieb nicht sagen könnte, was der eigentlich tut und wer da drin sitzt, sei auf die kurze Informationsseite des Landkreises verwiesen:

http://www.landkreis-ravensburg.de/...

Hoffentlich ist dort bald die aktuell gewählte Besetzung und nicht die von 2004 dargestellt... Die Wahlergebnisse findet man hier.

Interessanterweise ist der Kreistag mit 70 Mitgliedern immerhin halb so groß wie der baden-württembergische Landtag.

Der Kreistag tagt an wechselnden Orten im Kreis. Dass die Sitzungstermine im WWW zwar zu finden sind, nicht aber Ort und Zeit ("Der jeweilige Sitzungstermin und -ort wird im Einzelfall einige Tage vorher in der lokalen Presse bekannt gemacht."), ist eine unnötige Schlamperei. So etwas etwas muss heute einfach im Internet verfügbar sein, wenn man nicht nur die aussterbende Generation der täglichen SchwäZ-Leser erreichen will.

Bodensee-Radweg

Eine umfangreiche Fotogalerie des Bodensee-Radwegs, der 260 km lang am Bodensee entlang führt.

http://www.ravensburg-net.de/Ausflugstipps/radtouren/Radweg_Fotogalerie/radweg_fotogalerie.html

Pasta Queen

In Ravensburg hergestellt, und sehr lecker.



http://www.pasta-queen.de/

Man sollte als Steinmetz auch mal "Nein" sagen können

Kitschiger Grabstein

Gesehen auf einem Friedhof bei Biberach/Riß

Tag des offenen Denkmals 2009

Am Sonntag, 13. September 2009, findet der Tag des offenen Denkmals statt.

Das Programm für den Landkreis Ravensburg findet man hier:
http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/laender/bw/118/

Fresko im Humpisquartier

Das so genannte „Mohrenfresko“ aus dem 15. Jahrhundert ist ein künstlerisches Highlight im neuen Museum Humpisquartier. Es stammt aus dem Haus Marktstraße 61, das als Zentrale der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft diente. Heute beherbergt dieses Haus das Gasthaus „Mohren“.

Mohrenfresko

Die Wappen stehen für die wichtigsten Mitglieder des heiligen Römischen Reichs. Ganz links die Wappen zweier Herzoge (Bayern und Lothringen), dann die Wappen der sieben Kurfürsten. Daneben noch der Reichsadler als Symbol für das Reich und den Kaiser. Ganz rechts fällt ein Wappen aus der Reihe der Reichsstände: es ist das Wappen des von 1417-1431 amtierenden Papstes Martin V., übrigens ein redendes Wappen – der Papst kam aus der Familie Colonna (= "Säule").

Detail

Unter der Wappenreihe ist eine Turnierszene abgebildet. Leider ist nur die Reihe der vornehmen Zuschauerinnen erhalten, vom Turnier selbst sieht man nur Helme und Helmzier, jedoch keine Körper und Pferde.

Dass sich die städtischen Nicht-, Beinahe- und Möchtegernadligen der Handelsgesellschaft, darunter einige der reichsten Menschen ihrer Zeit, mit der Abbildung von kurfürstlichen und päpstlichen Wappen mitsamt dem hochadligen Turnier in fürstliche Höhen emporschwungen, ist wohl recht vielsagend. Ob man weiß, ob das Fresko zu einem größeren Bildprogramm gehörte, ist mir unbekannt. Es ist jedenfalls reizvoll, sich vorzustellen, wie die restliche Kunst in dieser Konzernzentrale ausgesehen haben mag. Vielleicht eine Reihe mit Wappen der Reichsstädte, dazu eine Szene aus dem Wirtschaftsleben?

Mehr Detailansichten des Freskos gibt es bei den Wikimedia Commons.

Informationen zur Sammlung und Öffnungszeiten siehe www.museumhumpisquartier.de.

Monsieur, der Hummer und ich

Ein Hamburger Blogger veröffentlicht ein Buch mit Geschichten rund um das Kochen und Essen mit dem schönen Titel Monsieur, der Hummer und ich, garniert mit passenden Rezepten, schönen Schwarz-weiß-Bildern und einer außergewöhnlich gelungenen Buchgestaltung. Die Texte lesen sich wunderbar, und wenn man nicht dauernd zwischendurch Hunger bekäme, würde man das Buch gerne in einem Rutsch durchlesen. Aber was hat das mit Oberschwaben zu tun? Stevan Paul ist in Ravensburg aufgewachsen und machte seine Kochlehre in einem bekannten Sterne-Restaurant am Marienplatz in Ravensburg. Und Erfahrungen aus dieser Zeit werden in dem Buch auch ausgiebig verarbeitet. Wer das Vorbild für Monsieur ist, kann daher für keinen Ravensburger ein großes Geheimnis sein...

Stevan Paul: Monsieur, der Hummer und ich. Erzählungen vom Kochen
Mairisch Verlag, Hamburg 2009
Hardcover in Feinleinen. 176 Seiten. 18,90 €
ISBN 978-3-938539-12-5



Informationsseite des Verlags mit Links zu Rezensionen:
http://www.mairisch.de/stevan-paul_monsieur-der-hummer-und-ich.htm

Das Blog des Autors:
http://www.nutriculinary.com/

Lesung und Interview bei erlesen.tv:
http://www.erlesen.tv/04-09-09-stevan-paul/

Tja, dumm gelaufen

Mail an mich:

im Zuge des "Wahlkampfauftaktes 2009 der CDU", stattfindend in X-Stadt, würde ich gerne das oben genannte Bild nutzen dürfen.
Verwendet werden würde es innerhalb einer Bildcollage (bestehend aus mehreren Bilder), welche während des Wahlkampfauftaktes zu einem bestimmten
Zeitpunkt auf eine breite Leinwand projiziert wird. Schwierig wird jedoch die Angabe ihres Namens, wie Sie es richtigerweise fordern, da es sich wie erwähnt um eine Bildcollage handelt. Daher nun meine Bitte:Darf ich das Bild in diesem Zusammenhang auch ohne die Angabe ihres Namens verwenden?


Antwort:

Solange für die CDU das Internet ein Hort des Bösen ist, sie politisch keinerlei Interesse an Netzkultur und freien Inhalten zeigt und solange sie mich und meine Generation offen beschimpft und verhöhnt, soll sich diese Partei ihre Fotos bitte selbst machen. Für die CDU gilt: Nutzung nur unter genauer Einhaltung der entsprechenden Lizenzen. Bedanken Sie sich bitte bei Frau von der Leyen.

Da das Internet ja laut CDU ein rechtsfreier Raum ist, könnten Sie das Bild natürlich auch ohne Namensangabe verwenden. Wir werden dann mal sehen, ob diese Wahlkampf-Propaganda wirklich stimmt...
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