Wie die Schildbürger einmal erst im zweiten Anlauf eine renommierte Konzertreihe loswurden
Ein Schwank aus dem 21. Jahrhundert
Im alten Reichsstädtchen Schilda gibt es einen Verein, der ohne besonders viel städtische Zuwendung jedes Jahr einige Konzerte mit Neuer Musik veranstaltet. Und diese städtische Zuwendung wird ohnehin fast ganz durch die Mieten wieder aufgefressen, die die Stadt Schilda von dem Verein für die Nutzung ihrer Konzertsäle verlangt. Durch den guten Ruf des Vereins und wegen guter Kontakte zum großen staatlichen Rundfunk gibt es seit vielen Jahren ein Konzert, das die Stadt gar nichts kostet und das den Namen der Stadt trotzdem im überregionalen Radio in gutem Licht erscheinen lässt. Ein renommiertes Ensemble spielt avantgardistische Werke, ein kleines Häuflein unentwegter Krachliebhaber ist vor Ort, und ein paar tausend weitere Leute hören das Konzert dann ein paar Wochen später im Radio. So hätte das auch gut und gerne noch weitere 20 Jahre weitergehen können.
Dass da ganz ohne Streiterei und ohne große Bettelei einfach so ein hochkarätiges Konzert veranstaltet wird, dass ließ den Schildbürgern natürlich keine Ruhe. Da musste doch was zu machen sein, so etwas darf es doch einfach nicht geben. Nach vielen Jahren kam dem Ordnungsamt die zündende Idee: so eine Radiosendung braucht ja auch einen Aufnahmewagen. Und das mitten in der Fußgängerzone! Für diesen Lastwagen hatte man ja auch jahrelang den Verein für die Parkgenehmigung zahlen lassen. Das ist doch vielversprechend, da kann man doch ansetzen! Also wurde dem Landratsamt erlaubt, gleichzeitig und an der gleichen Stelle mitten in der Stadt einen Kleinwagen für irgendeine Verlosung abzustellen. Dann wollen wir doch mal sehen, wer hier das Sagen hat.
Der Tag des Konzerts im mittelalterlichen Konzertsaal in der Stadtmitte war gekommen. Die sündhaft teure Ausstattung des Lastwagens wird vom SWR sehr effektiv eingesetzt, der Wagen soll nicht länger als nötig unnütz herumstehen, und von der Verkabelung in das mittelalterliche Haus hinein bis hin zu den Mikrofonproben muss alles in wenigen Stunden vor dem Konzert erledigt sein. Der rührige Vereinsvorsitzende traut seinen Augen nicht, als er die Radioleute empfängt und der notwendige Stellplatz in Kabellänge zum Konzertsaal mit dem zu verlosenden Kleinwagen besetzt ist. Flugs ist das Schildaer Ordnungsamt angerufen, aber die zuständige Amtsperson ist in einer Besprechung und weigert sich, sich vor deren Beendigung in zwei Stunden mit der Lappalie zu beschäftigen. Man möge doch bitte warten. Im Landratsamt Schilda weiß man vom Auto, aber zuständig sei das Schildaer Ordnungsamt, da könne man rein gar nichts machen. Schon wieder wertvolle Zeit verloren. Irgendwie erfährt man den Namen des tüchtigen Autohausmitarbeiters, der den Schlüssel zum Auto besitzen soll, und der fährt das Auto dann auch innerhalb von 10 Minuten einige Meter zur Seite.
Die Technik wird aufgebaut, der Klang wird optimiert, und dann kann es auch bald losgehen. Doch jetzt ist die Besprechung im nahen Ordnungsamt zu Ende, und die Schildaer Amtsperson naht zur schnellen Lösung des Problems. Die Amtsperson ist entsetzt: der Kleinwagen ist weg, ein hässlicher SWR-Truck verschandelt das Stadtbild. Das gesunde Schildaer Rechtsempfinden regt sich in der Amtsperson. So geht es ja wirklich nicht. Die lustige Person stürmt den Saal und beschimpft den rührigen Vereinsvorsitzenden: Selbstjustiz! Amtsanmaßung! Das wird noch Folgen für Sie haben! Die Radioleute aus der fernen Großstadt freuen sich über den gelungenen folkloristischen Auftritt und lachen pflichtbewusst. Es ist doch auch zu nett, dass die Stadt Schilda außerhalb der Fasnetszeit einfach so Laien-Komödianten zur Begrüßung und Erheiterung der Fremden schickt. Das Konzert findet statt, und alles ist in bester Ordnung.
Da Schilda, wie gesagt, jedes Jahr so ein kostenloses Konzert des Rundfunks bekommt, bietet sich die Gelegenheit zur Revanche schon im nächsten Jahr. Die nötige Parkgenehmigung wird wieder gegen erkleckliche Gebühr ausgestellt, sie gilt nur bis 24:00 Uhr. Nach Konzert können also die Tonmeister nicht wie immer das Hotel am gleichen, zu dieser Zeit menschenleeren Platz, beziehen und Schilda noch ein bisschen Gewerbesteuereinnahmen bescheren, sondern müssen vorher den Truck wegbewegen. Wohin? Wo kann man so ein Auto in der Stadt halbwegs sicher parken? Das ist nicht Sache des Amts, solche Auskünfte kann man nicht beantworten. Da könnte ja jeder kommen. Der rührige Vereinsvorsitzende kündigt an, dann eben den fälligen Strafzettel zu bezahlen, der dann später auch prompt ausgestellt wird. Es ist ja für einen guten Zweck: irgendwie muss die Schildaer Stadtkasse ja gefüllt werden. So weit, so gut. Nun ist so ein Konzert mit Neuer Musik manchmal ein bisschen komplizierter als die Blasmusik, die den Schildaern so sehr ans Herz gewachsen ist, und so kommen zum Truck zwei SWR-Fahrzeuge mit weiteren Geräten und ein Lieferwagen eines Musikhochschulprofessors voller Schlagzeug frech vor dem Konzertsaal vorgefahren, zur schleunigsten Entladung. Nur wenige Stunden vor dem Konzert, und sogar die Geschäfte haben noch geöffnet. Die staatliche Ordnung ist kurz vor dem Zusammenbrechen. Sodom und Gomorrha! Das Ordnungsamt bekommt davon Wind, und wieder wird eine hochmögende Amtsperson losgeschickt, den Aufruhr zu verhindern. Die Amtperson beschimpft die SWR-Redakteure und den Musikhochschulprofessor und den rührigen Vereinsvorsitzenden dann auch trefflich und bestraft sie gebührend. Ein Blick auf den Kalender zeigt, dass auch dieses Mal keine Fasnetszeit ist, auch haben sich die Großstädter nicht im Jahrhundert geirrt. Ein befreiendes Lachen will sich dennoch nicht einstellen, die Vorstellung der lustigen Amtsperson wirkt einfach zu echt. Die fremden Großstädter verfluchen die Stadt und schwören, keinen Fuß mehr in die Stadt Schilda zu setzen. Victoria!
Und so kam es, dass das "Ars-Nova-Konzert" nie mehr in Schilda stattfindet, sondern bei den Freunden im eine Tagesreise nördlich gelegenen Abdera. Bis 24. Januar 2012 haben die Abderiten noch Zeit, sich eine eigene Strategie zur Abwehr der schamlosen Parksünder auszudenken. Sonst müssen auch sie jedes Jahr ein kostenloses Konzert ertragen!
(nach Gedächtnisprotokoll, es mag sich genau so oder ganz ähnlich abgespielt haben, Ursache und Wirkung stimmen jedenfalls)

Im alten Reichsstädtchen Schilda gibt es einen Verein, der ohne besonders viel städtische Zuwendung jedes Jahr einige Konzerte mit Neuer Musik veranstaltet. Und diese städtische Zuwendung wird ohnehin fast ganz durch die Mieten wieder aufgefressen, die die Stadt Schilda von dem Verein für die Nutzung ihrer Konzertsäle verlangt. Durch den guten Ruf des Vereins und wegen guter Kontakte zum großen staatlichen Rundfunk gibt es seit vielen Jahren ein Konzert, das die Stadt gar nichts kostet und das den Namen der Stadt trotzdem im überregionalen Radio in gutem Licht erscheinen lässt. Ein renommiertes Ensemble spielt avantgardistische Werke, ein kleines Häuflein unentwegter Krachliebhaber ist vor Ort, und ein paar tausend weitere Leute hören das Konzert dann ein paar Wochen später im Radio. So hätte das auch gut und gerne noch weitere 20 Jahre weitergehen können.
Dass da ganz ohne Streiterei und ohne große Bettelei einfach so ein hochkarätiges Konzert veranstaltet wird, dass ließ den Schildbürgern natürlich keine Ruhe. Da musste doch was zu machen sein, so etwas darf es doch einfach nicht geben. Nach vielen Jahren kam dem Ordnungsamt die zündende Idee: so eine Radiosendung braucht ja auch einen Aufnahmewagen. Und das mitten in der Fußgängerzone! Für diesen Lastwagen hatte man ja auch jahrelang den Verein für die Parkgenehmigung zahlen lassen. Das ist doch vielversprechend, da kann man doch ansetzen! Also wurde dem Landratsamt erlaubt, gleichzeitig und an der gleichen Stelle mitten in der Stadt einen Kleinwagen für irgendeine Verlosung abzustellen. Dann wollen wir doch mal sehen, wer hier das Sagen hat.
Der Tag des Konzerts im mittelalterlichen Konzertsaal in der Stadtmitte war gekommen. Die sündhaft teure Ausstattung des Lastwagens wird vom SWR sehr effektiv eingesetzt, der Wagen soll nicht länger als nötig unnütz herumstehen, und von der Verkabelung in das mittelalterliche Haus hinein bis hin zu den Mikrofonproben muss alles in wenigen Stunden vor dem Konzert erledigt sein. Der rührige Vereinsvorsitzende traut seinen Augen nicht, als er die Radioleute empfängt und der notwendige Stellplatz in Kabellänge zum Konzertsaal mit dem zu verlosenden Kleinwagen besetzt ist. Flugs ist das Schildaer Ordnungsamt angerufen, aber die zuständige Amtsperson ist in einer Besprechung und weigert sich, sich vor deren Beendigung in zwei Stunden mit der Lappalie zu beschäftigen. Man möge doch bitte warten. Im Landratsamt Schilda weiß man vom Auto, aber zuständig sei das Schildaer Ordnungsamt, da könne man rein gar nichts machen. Schon wieder wertvolle Zeit verloren. Irgendwie erfährt man den Namen des tüchtigen Autohausmitarbeiters, der den Schlüssel zum Auto besitzen soll, und der fährt das Auto dann auch innerhalb von 10 Minuten einige Meter zur Seite.
Die Technik wird aufgebaut, der Klang wird optimiert, und dann kann es auch bald losgehen. Doch jetzt ist die Besprechung im nahen Ordnungsamt zu Ende, und die Schildaer Amtsperson naht zur schnellen Lösung des Problems. Die Amtsperson ist entsetzt: der Kleinwagen ist weg, ein hässlicher SWR-Truck verschandelt das Stadtbild. Das gesunde Schildaer Rechtsempfinden regt sich in der Amtsperson. So geht es ja wirklich nicht. Die lustige Person stürmt den Saal und beschimpft den rührigen Vereinsvorsitzenden: Selbstjustiz! Amtsanmaßung! Das wird noch Folgen für Sie haben! Die Radioleute aus der fernen Großstadt freuen sich über den gelungenen folkloristischen Auftritt und lachen pflichtbewusst. Es ist doch auch zu nett, dass die Stadt Schilda außerhalb der Fasnetszeit einfach so Laien-Komödianten zur Begrüßung und Erheiterung der Fremden schickt. Das Konzert findet statt, und alles ist in bester Ordnung.
Da Schilda, wie gesagt, jedes Jahr so ein kostenloses Konzert des Rundfunks bekommt, bietet sich die Gelegenheit zur Revanche schon im nächsten Jahr. Die nötige Parkgenehmigung wird wieder gegen erkleckliche Gebühr ausgestellt, sie gilt nur bis 24:00 Uhr. Nach Konzert können also die Tonmeister nicht wie immer das Hotel am gleichen, zu dieser Zeit menschenleeren Platz, beziehen und Schilda noch ein bisschen Gewerbesteuereinnahmen bescheren, sondern müssen vorher den Truck wegbewegen. Wohin? Wo kann man so ein Auto in der Stadt halbwegs sicher parken? Das ist nicht Sache des Amts, solche Auskünfte kann man nicht beantworten. Da könnte ja jeder kommen. Der rührige Vereinsvorsitzende kündigt an, dann eben den fälligen Strafzettel zu bezahlen, der dann später auch prompt ausgestellt wird. Es ist ja für einen guten Zweck: irgendwie muss die Schildaer Stadtkasse ja gefüllt werden. So weit, so gut. Nun ist so ein Konzert mit Neuer Musik manchmal ein bisschen komplizierter als die Blasmusik, die den Schildaern so sehr ans Herz gewachsen ist, und so kommen zum Truck zwei SWR-Fahrzeuge mit weiteren Geräten und ein Lieferwagen eines Musikhochschulprofessors voller Schlagzeug frech vor dem Konzertsaal vorgefahren, zur schleunigsten Entladung. Nur wenige Stunden vor dem Konzert, und sogar die Geschäfte haben noch geöffnet. Die staatliche Ordnung ist kurz vor dem Zusammenbrechen. Sodom und Gomorrha! Das Ordnungsamt bekommt davon Wind, und wieder wird eine hochmögende Amtsperson losgeschickt, den Aufruhr zu verhindern. Die Amtperson beschimpft die SWR-Redakteure und den Musikhochschulprofessor und den rührigen Vereinsvorsitzenden dann auch trefflich und bestraft sie gebührend. Ein Blick auf den Kalender zeigt, dass auch dieses Mal keine Fasnetszeit ist, auch haben sich die Großstädter nicht im Jahrhundert geirrt. Ein befreiendes Lachen will sich dennoch nicht einstellen, die Vorstellung der lustigen Amtsperson wirkt einfach zu echt. Die fremden Großstädter verfluchen die Stadt und schwören, keinen Fuß mehr in die Stadt Schilda zu setzen. Victoria!
Und so kam es, dass das "Ars-Nova-Konzert" nie mehr in Schilda stattfindet, sondern bei den Freunden im eine Tagesreise nördlich gelegenen Abdera. Bis 24. Januar 2012 haben die Abderiten noch Zeit, sich eine eigene Strategie zur Abwehr der schamlosen Parksünder auszudenken. Sonst müssen auch sie jedes Jahr ein kostenloses Konzert ertragen!
(nach Gedächtnisprotokoll, es mag sich genau so oder ganz ähnlich abgespielt haben, Ursache und Wirkung stimmen jedenfalls)
Ladislaus – Sonntag, 15. Januar 2012, 22:54 – Rubrik: Kuriosa



